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ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) entwickeln sich vom theoretischen Konstrukt zur geschäftskritischen Notwendigkeit. Mit der CSRD-Berichtspflicht ab 2025, der CSDDD-Lieferkettensorgfalt und zunehmenden ESG-Anforderungen von Banken und Geschäftspartnern stehen Unternehmen vor der Aufgabe, Nachhaltigkeit systematisch zu verankern. Dieser Guide zeigt euch, wie ihr ESG-Kriterien strukturiert umsetzt – vom ersten Materiality Assessment bis zur prüfungssicheren Berichterstattung. Besonders für KMU bietet der VSME-Standard inzwischen einen pragmatischen Einstieg, während automatisierte Plattformen den Aufwand drastisch reduzieren. Entscheidend ist: ESG ist kein Reporting-Projekt, sondern ein strategischer Wettbewerbsvorteil, wenn ihr Nachhaltigkeit konsequent mit eurer Geschäftsstrategie verzahnt.
ESG-Kriterien bilden den Rahmen, mit dem Investoren, Kunden, Banken und andere Stakeholder die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen bewerten. Die Abkürzung steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – drei Dimensionen, die weit über klassische Finanzkennzahlen hinausgehen.
Interessanterweise hat sich die Bedeutung von ESG in den vergangenen Jahren fundamental gewandelt. Was früher als freiwilliges Engagement galt, ist heute zunehmend regulatorischer Standard. Gerade in der DACH-Region merken das viele mittelständische Unternehmen durch konkrete Anfragen: Der Großkunde will CO2-Daten aus der Lieferkette, die Hausbank fragt nach Nachhaltigkeitsberichten, und selbst bei Ausschreibungen tauchen ESG-Kriterien als Bewertungsfaktor auf.
Die drei Buchstaben stehen für unterschiedliche Verantwortungsbereiche:
Environmental (Umwelt): Hier geht es um den Umgang mit natürlichen Ressourcen, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, Energieeffizienz, Abfallmanagement und den Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Auch Themen wie Wasserverbrauch, Biodiversität und die Kontrolle von Umweltverschmutzung fallen in diesen Bereich. Durch europäische Gesetzgebung wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) ist das "E" inzwischen relativ klar definiert.
Social (Soziales): Der Social-Aspekt umfasst Arbeitsbedingungen, Diversität und Teilhabe, Menschenrechte entlang der Lieferkette, Gesundheitsschutz und sichere Arbeitsplätze. Auch das Engagement in der Gesellschaft und der verantwortungsvolle Umgang mit lokalen Communities gehören dazu. Gerade wer schon einmal mit Wirtschaftsprüfern zu tun hatte, kennt die Herausforderung: Im Gegensatz zum "E" gibt es beim "S" keine einheitlichen regulatorischen Standards, entsprechend unterscheiden sich die Anforderungen verschiedener Analysten und Ratingagenturen.
Governance (Unternehmensführung): Governance bezeichnet die Qualität der Unternehmensführung – von transparenten Entscheidungsstrukturen über Antikorruptionsmaßnahmen bis zur Offenlegung von Informationen. Auch Themen wie Vorstandsvergütung, Unabhängigkeit des Aufsichtsrats und Whistleblower-Systeme fallen hierunter. Tatsächlich zeigen Studien einen messbaren Zusammenhang zwischen guter Governance und langfristiger Unternehmensperformance.
Während ESG als Sammelbegriff viel Interpretationsspielraum lässt, versucht die EU-Kommission mit der EU-Taxonomie im Rahmen des Green Deal für Klarheit zu sorgen. Die Taxonomie-Verordnung klassifiziert nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten, um Markttransparenz herzustellen und Investitionen in den ökologischen Wandel zu lenken. Damit sollen Investoren vor Greenwashing geschützt und nachhaltige Anlagen eindeutig identifizierbar werden.
Die Taxonomie definiert sechs zentrale Umweltziele:
Zu jedem dieser Ziele gibt es delegierte Rechtsakte mit technischen Bewertungskriterien. Die CSRD und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) greifen auf diese Klassifizierung zurück. Man könnte die EU-Taxonomie deshalb als grundlegendes Regelwerk zur ökologischen Nachhaltigkeit verstehen – ein einheitliches Vokabular für EU-Institutionen, Anleger und Unternehmen.
Ein häufig übersehener Aspekt: Viele ESG-Bewertungen arbeiten mit prozessorientierten Output-Kennzahlen. Ein Beispiel: Hat ein Unternehmen eine Richtlinie zum Chemikalieneinsatz? Diese Frage lässt sich mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Doch es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen einem Unternehmen, das lediglich eine Richtlinie dokumentiert hat, und einem Betrieb, der biobasierte Farbstoffe entwickelt, die Abfall und Wasserverbrauch tatsächlich reduzieren und neue Absatzmärkte erschließen.
Gerade für den Mittelstand ist diese Unterscheidung entscheidend: Wer ESG nur als Compliance-Übung versteht, verschenkt strategisches Potenzial. Wer dagegen wirkungsorientierte Kennzahlen entwickelt, kann Nachhaltigkeit zum echten Wettbewerbsvorteil machen.
Die Nachhaltigkeitslandschaft in Europa hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verändert. Mit den jüngsten Anpassungen an der CSRD und der Einführung der CSDDD ergeben sich für Unternehmen in ganz Europa nicht nur neue Anforderungen, sondern auch erweiterte Gestaltungsspielräume.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive konkretisiert seit 2024, welche Nachhaltigkeitsinformationen große Unternehmen künftig offenlegen müssen. Dabei geht es nicht mehr um optionale Nachhaltigkeitsberichte, sondern um prüfungspflichtige, standardisierte Angaben nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit ist dabei zentral: Unternehmen müssen sowohl berichten, wie Nachhaltigkeitsthemen ihr Geschäft beeinflussen (Outside-in), als auch welche Auswirkungen ihre Aktivitäten auf Umwelt und Gesellschaft haben (Inside-out).
Für den deutschen Mittelstand greifen die Berichtspflichten zunächst vor allem bei größeren Unternehmen. Dennoch spüren kleinere und mittlere Betriebe die Auswirkungen zunehmend indirekt – etwa durch detaillierte ESG-Anfragen von Kunden, die selbst berichtspflichtig sind. Wer frühzeitig transparente Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen kann, sichert sich eine stabile Marktposition und bleibt für Geschäftspartner attraktiv, selbst wenn keine unmittelbare gesetzliche Berichtspflicht besteht.
Mehr zur Umsetzung der CSRD findest du in unserem Artikel zur CSRD-Berichterstattung.
Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive verankert menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Damit werden Themen wie Lieferkettencode, Risikoanalysen und Abhilfemaßnahmen zur verpflichtenden Aufgabe – besonders für exportorientierte Mittelständler, die in komplexen globalen Lieferketten agieren.
Konkret bedeutet das: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie potenzielle Risiken in ihrer Lieferkette systematisch identifizieren, bewerten und Maßnahmen zur Vermeidung ergreifen. Gerade wer bereits mit Due-Diligence-Prozessen im Bereich Geldwäsche oder Datenschutz vertraut ist, kennt den Aufwand. Bei Scope-3-Emissionen und Lieferantenmanagement potenziert sich diese Komplexität.
Praktische Ansätze für verantwortungsvolle Beschaffung und Lieferkettenmanagement zeigen wir in unseren Scope-3-Guides.
Für Unternehmen, die von der CSRD ausgenommen sind, steht seit 2025 der Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) als praxisorientierte Grundlage zur Verfügung. Dieser Standard richtet sich explizit an kleine und mittlere Betriebe, die ohne komplexe Tool-Landschaften oder Beratungsaufwand auf steigende Informationsanfragen aus Lieferkette und Finanzwelt reagieren möchten.
Das VSME-Modell ist modular aufgebaut: Ihr könnt mit grundlegenden Angaben zu Umwelt, Personal und Governance starten und nach Bedarf um weitere Themen erweitern. Die Anwendung des VSME-Standards hilft, den bürokratischen Aufwand zu minimieren, relevante ESG-Daten strukturiert vorzuhalten und so auch mittelfristig fit für geschäftskritische Anforderungen zu bleiben – von Lieferantenbewertungen bis hin zu Bankgesprächen.
Nachhaltigkeitsberichterstattung wird damit zum KMU-tauglichen Mehrwert, statt zur lästigen Pflicht. Mehr zum VSME-Standard erfährst du in unserem VSME-Praxisguide.
Spätestens wenn große Kunden nach CO2-Daten fragen oder die Hausbank ESG-Kriterien in die Kreditprüfung einbezieht, wird klar: Die regulatorischen Anforderungen wirken über Lieferketten und Finanzbeziehungen weit über die unmittelbar berichtspflichtigen Unternehmen hinaus.
Viele KMU stehen vor der Frage: Müssen wir jetzt auch? Die ehrliche Antwort: Formal vielleicht nicht. Praktisch zunehmend ja. Denn Unternehmen, die frühzeitig proaktive Nachhaltigkeitskommunikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette etablieren, verschaffen sich messbare Vorteile:
ESG-Kriterien sind für Unternehmen längst mehr als ein Reporting-Thema. Sie tragen dazu bei, das Vertrauen von Investoren, Mitarbeitern, NGOs und anderen Interessengruppen zu gewinnen – die sogenannte "Social Licence to Operate". Die meisten neueren Studien belegen eine Korrelation zwischen Nachhaltigkeit und finanzieller Leistung.
Für viele Unternehmen können nicht-finanzielle Kennzahlen, wie CO2-Emissionen, erhebliche nachhaltigkeitsbezogene Einsparungen aufzeigen. Die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie kann einen Wettbewerbsvorteil bringen, indem sie die betriebliche Effizienz, die Innovation, das Engagement der Mitarbeiter, die Robustheit der Lieferkette, die Risikominderung und die Umsatzsteigerung positiv beeinflusst.
Eine Analyse von Schröders weist einen positiven Zusammenhang zwischen Governance und Rendite nach – explizit zwischen Arbeitssicherheit und Unternehmenserfolg. Unternehmen, die für ihre Arbeitnehmer sicher sind, zeigen sich auch als stabiler für ihre Anteilseigner. Vorausschauendes Management an gefährlichen Arbeitsplätzen setzt auf leistungsfähige Arbeitssysteme statt auf traditionelles, kontrollorientiertes tayloristisches Denken. Hochwertige Arbeitssysteme beruhen auf der Ermächtigung der Mitarbeiter und der Übertragung von Entscheidungsbefugnissen.
Eine weitere Studie von Morningstar analysierte die eigenen Indizes über mehrere Jahre und wies für Unternehmen mit positiver ESG-Bewertung eine höhere Widerstandsfähigkeit ("superior downside protection") nach. Daraus schlussfolgert Morningstar, dass ESG-Risiken finanziell relevant sind und eine ESG-Risikoanalyse zur Risikominderung beiträgt.
Doch wie bei allen anderen Geschäftsaktivitäten ist der Wettbewerbsvorteil durch Nachhaltigkeit das Ergebnis einer guten Strategie, einer guten Unternehmenskultur, guter Leistungskennzahlen und einer guten Umsetzung. Berichte sind der letzte Schritt, nicht der erste.
Gerade wenn der erste CSRD-Auditbericht ansteht oder große Kunden detaillierte Scope-3-Daten anfordern, wird deutlich: Wer Nachhaltigkeit nur als Reporting-Projekt versteht, gerät schnell unter Druck. Wer hingegen ESG systematisch in Geschäftsprozesse integriert, profitiert von messbaren Vorteilen:
Wie ihr Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil konkret nutzen könnt, zeigen wir in unseren Praxisbeispielen.
Der erste Schritt besteht darin, den Blickwinkel zu erweitern und die wesentlichen ESG-Themen eurer Branche einzubeziehen. Dabei orientiert ihr euch am besten an etablierten Standards.
Ein Blick auf bestehende Standards wie die des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) oder der Global Reporting Initiative (GRI) liefert erste Anhaltspunkte. SASB sagt zum Beispiel, dass in der Konsumgüterindustrie Klima, Wasser und Arbeitspraktiken zu den wichtigsten Themen gehören. In der Hotellerie stehen Energie, Wasser und Arbeitspraktiken im Fokus. Für Handwerksbetriebe sind häufig Mobilitätsemissionen und Materialeffizienz zentral.
Wichtige Stakeholder wie Mitarbeiter, Investoren, Kunden, Aufsichtsbehörden und die Zivilgesellschaft sollten ebenfalls konsultiert werden, da ihre Erkenntnisse dazu beitragen können, Prioritäten zu ermitteln, auf die die Unternehmensführung nicht selbst kommt. Auf der Website von SASB lässt sich mit dem Materiality Finder auch branchenspezifische Orientierung finden.
Die Ergebnisse lassen sich in einer Wesentlichkeitsmatrix zusammenfassen, die hilft, Themen zu priorisieren, die sowohl für die Stakeholder als auch für das Unternehmen wichtig sind. Dies ist ein analoges Vorgehen zum Erstellen eines CSRD-Berichts. Die Wesentlichkeitsmatrix ordnet ESG-Themen nach zwei Dimensionen:
Für viele mittelständische Unternehmen kristallisieren sich dabei typischerweise drei bis fünf Kernthemen heraus: Energie und Emissionen, Lieferkettensorgfalt, Mitarbeiterqualifikation und -sicherheit, Produktqualität und Kreislaufwirtschaft sowie Governance und Compliance.
Die Erfahrung zeigt: ESG-Themen unterscheiden sich erheblich nach Branche. Im Handwerk kennt man das Problem der Flotten- und Mobilitätsemissionen, während Hotelbetriebe vor der besonderen Herausforderung stehen, Scope-1- und Scope-2-Emissionen aus Heizung, Kühlung und Warmwasser zu erfassen. Für Dienstleister bedeutet das konkret oft: Der größte Impact liegt nicht in der eigenen Infrastruktur, sondern in Scope 3 – von Geschäftsreisen bis zur IT-Infrastruktur.
Entsprechend solltet ihr die Wesentlichkeitsanalyse immer mit Blick auf eure spezifische Wertschöpfungskette durchführen. Mehr zu branchenspezifischen Ansätzen findet ihr in unseren Guides zu CO2-Bilanzierung im Handwerk und Dienstleister-spezifischen Herausforderungen.
Die SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) der wirkmächtigen Themen hilft euch zu beurteilen, wie gut ihr derzeit aufgestellt seid, um eure Impact-Themen anzugehen. Je nach Unternehmensgröße fokussiert ihr euch auf die Themen mit hohem Wirkfaktor oder nehmt weitere Felder dazu.
Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Ein mittelständischer Produktionsbetrieb identifiziert "Energieeffizienz und CO2-Reduktion" als wesentliches Thema.
Strengths (Stärken):
Weaknesses (Schwächen):
Opportunities (Chancen):
Threats (Risiken):
Diese SWOT-Analyse schafft die Grundlage für konkrete Maßnahmenpläne. Entscheidend ist: Nicht bei der Analyse stehenbleiben, sondern Schwächen in Aktionspläne überführen und Chancen systematisch nutzen.
Dann folgt die Detailarbeit. Wenn beispielsweise Menschenrechte in der Lieferkette eine große Herausforderung darstellen, müsst ihr verstehen, wo genau diese Risiken in der Lieferkette liegen, und mögliche Lösungen antizipieren. Bestenfalls definiert ihr einen zukünftigen Zustand, den ihr erreichen möchtet, und wie ihr dorthin gelangen könnt.
Wie bereits erwähnt, enthalten die meisten Reportingstandards prozessbasierte KPIs. Um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, solltet ihr ergebnis- und wirkungsorientierte KPIs entwickeln.
Nehmen wir zum Beispiel an, ihr möchtet Diversität und Teilhabe in eurem Unternehmen verbessern. Ihr könntet:
Die tatsächlichen Ergebnisse (Outcomes) sind das, was sich aus diesen Inputs ergibt: Zum Beispiel ein Anteil weiblicher Führungskräfte oder Lohngleichheit zwischen verschiedenen Gruppen. Um die Auswirkungen (Impact) dieser Ergebnisse zu bewerten, müsst ihr festlegen, welcher Zielwert erreicht sein muss, damit es vielfältig und inklusiv ist und bessere Geschäftsergebnisse folgen – etwa eine höhere Produktivität, Kreativität oder geringere Fluktuation.
Organisatorische ESG-KPIs sollten mit der Geschäftsstrategie verknüpft sein und sowohl der Unternehmensleitung als auch den Mitarbeitenden Rechenschaft abverlangen. Ein praktisches Beispiel:
Traditioneller Prozess-KPI:"Wir haben eine Richtlinie zur CO2-Reduktion verabschiedet."
Wirkungsorientierter KPI:"Wir haben unsere energiebedingten Emissionen im Vergleich zum Umsatz um einen messbaren Anteil reduziert und dadurch Energiekosten gesenkt."
Der Unterschied liegt auf der Hand: Der erste KPI beschreibt eine Aktivität, der zweite ein messbares Geschäftsergebnis. Gerade für Geschäftsführer ist diese Unterscheidung entscheidend: ESG-Kriterien rechtfertigen sich nicht durch Berichtspflichten, sondern durch ihren Beitrag zu Risikominimierung und Wertschöpfung.
Konkret am Beispiel Lieferkettenmanagement: Wenn die SWOT-Analyse zeigt, dass ihr keine systematische ESG-Bewertung eurer Lieferanten durchführt, definiert ihr:
Aus Sicht der Governance ist die Führung in Form eines Nachhaltigkeitsausschusses, eines bereichsübergreifenden Ausschusses auf Geschäftsführungsebene und bereichsübergreifender Ausschüsse auf Managementebene für die Umsetzung der Pläne von entscheidender Bedeutung, da die meisten ESG-Themen eben bereichsübergreifend sind.
Helfen kann ein Nachhaltigkeitsmanager, der bestenfalls direkt an die Geschäftsführung berichtet und mit der Personalabteilung sowie dem Führungsteam eine Kultur der Nachhaltigkeit entwickelt. Weiterbildung, Nachhaltigkeitsausschüsse und Fürsprecher in einzelnen Abteilungen beschleunigen die Entwicklung.
Der Nachhaltigkeitsbeauftragte sollte eng mit den Finanz-, Beschaffungs- und Marketingabteilungen sowie den anderen wichtigen Geschäftsbereichen zusammenarbeiten, um sie beim Erreichen der ESG-KPIs mit den neuesten Werkzeugen, Daten und Trends zu unterstützen. Mehr zur Rolle von Sustainability Managern findet ihr in unserem Praxisguide.
Für kleinere Unternehmen ohne dedizierte Nachhaltigkeitsabteilung empfiehlt sich eine pragmatische Struktur:
Entscheidend ist: ESG darf nicht zur Silo-Aufgabe werden. Wenn nur eine Person "für Nachhaltigkeit zuständig" ist, während alle anderen Bereiche weitermachen wie bisher, scheitert die Integration. Besser: Klare Verantwortlichkeiten in jedem Bereich definieren und diese mit Zielen verknüpfen.
Um die Entscheidungsfindung zu verbessern und einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, sollten Führungskräfte die finanziellen Erträge – sowohl die immateriellen (z.B. Risikominderung, Mitarbeiterengagement) als auch die materiellen (z.B. betriebliche Effizienz, Umsatz) – im Zusammenhang mit ihrer eingebetteten Nachhaltigkeitsstrategie erfassen.
Eine oft ungenutzte Chance ist, dass in der Finanzabteilung die vermiedenen Kosten nicht erfasst werden. Ersparnisse durch eine eigene Photovoltaikanlage bleiben so unsichtbar. Gleiches kann für die Beschaffung von Rohstoffen durch eigene Sammlung oder Kreislaufprozesse gelten.
Ein Beispiel ist Arkets "Revival Program". Gebrauchte Kleidung wird zurückgenommen, gereinigt, gegebenenfalls repariert und wieder verkauft. Dieses Modell reduziert nicht nur Material- und Entsorgungskosten, sondern erschließt neue Erlösquellen und stärkt die Kundenbindung.
Ein weiteres Beispiel liefert der Norwegische Staatsfonds (Norges Bank Investment Management). Der Fonds hat sich von Unternehmen getrennt, nachdem Bewertungen der ESG-Risiken durchgeführt wurden. Es wurden Unternehmen identifiziert, die deutlich erhöhte Risiken in einer Vielzahl von ESG-Themen aufwiesen, einschließlich möglicher Verletzungen der Menschen- und Arbeitsrechte, unzureichendem Risikomanagement im Zusammenhang mit Korruption und Geschäftsmodellen, die stark von Kohle abhängig sind.
Dabei hat der Staatsfonds auch die Rendite dieser Desinvestments ermittelt. Risikobasierte Desinvestitionen haben die kumulative Rendite des Eigenkapitalmanagements positiv beeinflusst. Risikobasierte Desinvestitionen, die mit dem Klimawandel und Menschenrechten verbunden sind, haben die Rendite gesteigert.
Für mittelständische Unternehmen bedeutet das konkret: Entwickelt ein System, um den Return on Investment eurer Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu erfassen:
Mehr zu ROI von CO2-Buchhaltung und konkreten Berechnungsansätzen findet ihr in unserem Praxisguide.
Technologisch hat sich der Markt für ESG- und CO2-Berichte stark gewandelt. Immer mehr mittelständische Unternehmen setzen inzwischen auf cloudbasierte Softwarelösungen oder spezialisierte Plattformen, statt zeitaufwändige, fehleranfällige Excellisten zu führen.
Wer schon einmal Excel-Listen für den Steuerberater zusammengestellt hat, kennt das Problem: Daten aus verschiedenen Quellen manuell zusammenführen, Umrechnungsfaktoren recherchieren, Formeln pflegen, Versionskonflikte auflösen. Bei ESG-Daten potenziert sich dieser Aufwand, weil ihr nicht nur Finanzdaten, sondern auch Energie-, Mobilitäts-, Abfall- und Lieferantendaten integrieren müsst.
Spätestens bei der nächsten Bankfinanzierung oder wenn ein Großkunde detaillierte Scope-3-Daten anfordert, zeigen sich die Schwächen manueller Prozesse:
Moderne Lösungen bieten Plug-and-Play-Schnittstellen zu bestehenden Buchhaltungs-, Lohn- und Einkaufssystemen. KI-gestützte Tools helfen dabei, relevante Emissions- und ESG-Daten automatisch zu erfassen und übersichtlich auszuwerten, ohne dass tiefe IT-Expertise benötigt wird.
Gerade für kleinere Betriebe sinken so Einstiegshürden und laufender Aufwand erheblich. Ein zusätzlicher Vorteil: Die gesammelten Daten sind für jede Stakeholder-Anfrage oder externe Prüfung strukturiert abrufbar – audit- und prüfungssicher.
Typische Funktionen moderner ESG-Plattformen:
Einen direkten Vergleich zwischen Excel und automatisierten Tools findet ihr in unserem Entscheidungsleitfaden. Für einen schnellen Einstieg bieten wir auch einen kostenlosen CO2-Rechner an.
Die Wertschöpfungskette ist entscheidend für das Kundenvertrauen und gleichzeitig Quelle für die größten Umweltrisiken eines Unternehmens. Es ist kein Zufall, dass für fast jedes Unternehmen der größte Anteil an CO2-Emissionen in der Lieferkette anfällt und die EU mit der CSDDD die verantwortungsvolle Beschaffung reguliert.
Beim Aufbau einer nachhaltigen Lieferkette ist es unerlässlich, nicht nur den ökologischen Fußabdruck, sondern auch die sozialen Auswirkungen zu verstehen. Um sicherzustellen, dass eure Lieferketten transparent sind und den gesetzlichen Vorschriften und ethischen Standards entsprechen, empfiehlt das B Corp Lab, ausgewählte Kriterien bei der Auswahl der Lieferanten zu prüfen und einen Verhaltenskodex für Lieferanten zu erstellen.
Bei der Lieferantensichtung:
Zur laufenden Überwachung:
Die Wahl der richtigen Lieferanten geht mit der Möglichkeit einher, zur Schaffung von Arbeitsplätzen in einer Community vor Ort beizutragen und gleichzeitig Time-to-Market, Qualität und Preis zu verbessern.
Globale Lieferketten bieten zwar eine große Bandbreite an Produkten zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen, doch solltet ihr auch die Vorteile einer kürzeren, lokalisierten Lieferkette nicht außer Acht lassen:
Kontrolle über die Rohstoffe: Der Vorteil lokaler Materialien besteht darin, dass es mehr Industrienormen gibt, an die sie sich oft halten müssen, was zu einem größeren Vertrauen führt, dass das erhaltene Material den Spezifikationen entspricht.
Geringeres Lagerhaltungsrisiko: Der Versand kleinerer Mengen ist günstiger, wenn der Weg nicht so weit ist. Bei physischen Produkten ermöglichen kürzere Lieferzeiten einen schnelleren und häufigeren Nachschub und eine bessere Reaktionsfähigkeit, wodurch das Bestandsrisiko verringert wird.
Höheres Engagement lokaler Lieferanten: Lokale Lieferanten können enger eingebunden werden und ihr Angebot besser an eure sich entwickelnden Spezifikationen anpassen. Außerdem ist es einfacher, zu Entwicklungs-, Verwaltungs- und Inspektionszwecken zu den Lieferanten zu reisen.
Niedrigere Administrationskosten: Eine globale Beschaffung macht die Zollabwicklung komplizierter, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sind, und Fehler können den Versand verzögern und die Zollgebühren erhöhen. Die lokale Beschaffung, zumal innerhalb der EU, ist meist sehr einfach.
Praktische Ansätze zur Scope-3-Erfassung in der Lieferkette zeigen wir in unserem Einsteiger-Guide.
Es ist nie zu früh, ein integratives Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, ihr authentisches Selbst einzubringen. Die zu frühe Umsetzung einer formellen D&I-Strategie kann jedoch aus zwei Gründen schief gehen.
Erstens kann es unmöglich sein, bei der Planung der ersten Einstellungen eine diverse Teilhabe zu erreichen. Zweitens, und das ist noch wichtiger, ist es notwendig, die aktuelle Vielfalt zu erfassen – und das ist keine leichte Aufgabe. Denn um dies zu erfassen, müssen Mitarbeiter sich selbst einordnen. Dabei kann es sein, dass diese dazu nicht bereit sind oder sich nicht trauen, diese Informationen anzugeben. Anonyme Umfragen könnten eine Lösung sein, doch in Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern kann auch dann die Identität des Befragten leicht zu ermitteln sein.
Wie bei jeder Change-Management-Initiative solltet ihr auch bei der Umsetzung einer D&I-Strategie die Gründe für die Veränderung und das Ziel der Initiative klar kommunizieren und sicherstellen, dass ein Konsens zwischen den wichtigsten Stakeholdern hergestellt wird, da es möglicherweise nicht jedem einleuchtet, warum eine Veränderung notwendig ist.
Die Zustimmung ist von grundlegender Bedeutung, nicht nur, weil Veränderungen meist auch eine finanzielle Belastung sind, für die es keinen konkreten ROI gibt, sondern auch, weil der Widerstand der leitenden Angestellten eine breite Akzeptanz verhindern würde. Um die Vorteile zu verdeutlichen, ist es also hilfreich, ein Mission Statement zu formulieren.
Beispiel Google:"Google's mission is to organize the world's information and make it universally accessible and useful. When we say we want to build for everyone, we mean everyone. To do that well, we need a workforce that's more representative of the users we serve. That's why we've embraced a refreshed and accelerated approach to diversity and inclusion."
Beispiel Diversity-Statement FU Berlin:"Die Mitglieder der Freien Universität in Forschung, Lehre und Verwaltung fühlen sich einer Kultur der Wertschätzung, Anerkennung, Offenheit und des Respekts verpflichtet und verstehen die erfolgreiche und nachhaltige Erfüllung struktureller Chancengleichheit als ein immanentes Ziel ihrer Tätigkeiten."
Mit den neuen EU-Leitlinien richtet sich der Blick stärker auf die inhaltliche Qualität der Berichterstattung. Unternehmen sollten nicht nur formale Vorschriften abarbeiten, sondern nachvollziehbare, methodisch saubere und überprüfbare Angaben machen.
Eine transparente Methodik bei der Datenerhebung, klare Zuständigkeiten intern sowie externe Prüfbarkeit werden immer mehr zum Ausschlaggeber für Banken, Investoren und Behörden. Moderne Softwarelösungen unterstützen diesen Prozess durch automatische Dokumentation und Versionierung, was sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die Nachvollziehbarkeit der Aussagen erhöht.
Wer sich rechtzeitig auf diese Anforderungen einstellt, minimiert Risiken und stärkt die eigene Reputation nachhaltig. Mehr zu Greenwashing-Vermeidung und ehrlicher Nachhaltigkeitskommunikation findet ihr in unserem Praxisleitfaden.
Gerade wenn der erste CSRD-Audit ansteht oder Banken detaillierte Nachweise fordern, zeigt sich der Wert systematischer Dokumentation:
Wie ihr audit-sichere CO2-Berichte erstellt, zeigen wir in unserem Qualitätsleitfaden.
Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie mit Nachhaltigkeit ganz konkret beginnen sollen. Gerade für KMU ist es sinnvoll, pragmatische Quick Wins zu nutzen, um direkt echte Fortschritte zu erzielen.
Umstellung auf Ökostrom und Ausschreibungen für nachhaltige Energiequellen: Oft der schnellste Hebel zur CO2-Reduktion. Mit Ökostrom lassen sich Scope-2-Emissionen oft deutlich reduzieren.
Einführung digitaler Reisekosten- oder Mobilitätsrichtlinien: Videokonferenzen statt Dienstreisen, Bahnfahrten statt Inlandsflüge – einfache Regeln mit großer Wirkung.
Erfassung betrieblicher Emissionen mit automatisierten Tools: Der erste Schritt ist immer die Bestandsaufnahme. Moderne Tools ermöglichen eine CO2-Bilanz in 7 Tagen.
Erstellung eines kompakten Lieferantenkodex mit klaren Mindestanforderungen: Muss nicht perfekt sein, aber sollte die wichtigsten ESG-Erwartungen klar formulieren.
Diese Maßnahmen lassen sich meist kurzfristig umsetzen, bieten messbare Effekte und schaffen Motivation im Team. Je nach Branche und Ausgangslage bietet der modulare VSME-Standard die Möglichkeit, Schritt für Schritt tiefer einzusteigen, ohne von der Komplexität überfordert zu werden.
Nach den ersten Erfolgen folgt die systematische Verankerung:
Wie ihr nachhaltige Prozesse Schritt für Schritt etabliert, zeigen wir in unserem Transformationsleitfaden.
Nicht nur Kunden und Behörden, auch Banken und Investoren achten seit kurzem verstärkt auf die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Geschäftspartner. Viele Kreditinstitute verknüpfen die Kreditvergabe inzwischen mit ESG-Kriterien oder fordern mindestens einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht.
Wer diese Anforderungen früh aufgreift, verschafft sich einen spürbaren Finanzierungsvorsprung und erhält bessere Konditionen. ESG-linked Loans koppeln die Zinssätze an die Erreichung definierter Nachhaltigkeitsziele. Green Bonds ermöglichen die Finanzierung spezifischer Nachhaltigkeitsprojekte zu attraktiven Konditionen.
Mittelfristig wird ESG-Transparenz damit zum zentralen Wettbewerbsfaktor auch für kleine und mittlere Unternehmen. Wie ihr Banken mit ESG-Daten überzeugt, erläutern wir in unserem Finanzierungsleitfaden.
Aus Sicht der Kreditinstitute sind ESG-Kriterien inzwischen ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements. Unternehmen mit hohen Klimarisiken, unklaren Lieferketten oder schwacher Governance gelten als riskanter – und zahlen entsprechend höhere Risikoaufschläge.
Umgekehrt profitieren Unternehmen, die ihre ESG-Performance transparent darstellen können:
Das Fintech-Unternehmen Tomorrow zeigt, wie ESG-Kriterien systematisch in die Unternehmensstrategie integriert werden können. Die folgende Darstellung basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen aus den Nachhaltigkeitsberichten und der Unternehmenskommunikation.
Tomorrow identifiziert die wichtigsten ESG-Themen (Klimaschutz, soziale Verantwortung, Unternehmensethik) auf Basis von Stakeholder-Analysen, Wesentlichkeitsanalysen und Best-Practice-Standards wie GRI und den Sustainable Development Goals. Die Einbeziehung von Mitarbeitern, Kunden und Partnerfirmen in Entscheidungs- und Verbesserungsprozesse ist fester Bestandteil der Unternehmenskultur.
Die Geschäftsfelder und Projekte werden entlang strikter Nachhaltigkeitskriterien geprüft: Negativlisten schließen Branchen wie fossile Energien, Massentierhaltung und Rüstung kategorisch aus, während positive ESG-Merkmale wie Klimawirkung, Empowerment und Fairness systematisch gefördert werden.
Für die praktische Umsetzung setzt Tomorrow auf etablierte Managementsysteme wie GRI-Standards, einen Impact Council und externe Prüfung. Die Fortschritte werden an konkreten Zielen überprüft und öffentlich gemacht – von Diversitätskennzahlen über CO2-Reduktion bis zu Lieferkettenstandards und der Wirkung von Investitionen.
Tomorrow hat einen Impact-Rat (Impact Council) etabliert, der sämtliche Nachhaltigkeitskriterien und Investitionsentscheidungen vorgibt und kontrolliert. Führungskräfte und Mitarbeitende tragen gemeinsam Verantwortung für soziale und ökologische Zielerreichung – auch durch interne Weiterbildungen und Diversity-Initiativen.
Die Ergebnisse der ESG-Maßnahmen werden regelmäßig dokumentiert – oft weit über die regulatorischen Mindestanforderungen hinaus – und dienen kontinuierlicher Strategieanpassung sowie dem Reporting entlang internationaler Standards wie CSRD und Taxonomie.
Das zeigt, wie strukturierte, an Standards und Best Practices orientierte ESG-Integration als Hebel für Transparenz, Vertrauenskapital und Innovationsvorsprung bei Kunden, Mitarbeitenden und Investoren genutzt werden kann.
ESG steht für Environmental, Social und Governance – die drei Bereiche, mit denen bewertet wird, wie nachhaltig und verantwortungsvoll ein Unternehmen wirtschaftet. ESG-Kriterien umfassen Umweltschutz, soziale Arbeitsbedingungen und Unternehmensführung und werden immer wichtiger für Investoren, Banken und Geschäftspartner.
Die drei ESG-Kriterien gliedern sich in:
Das "E" ist durch europäische Richtlinien wie CSRD, CSDDD und die EU-Taxonomie mittlerweile klar geregelt. "S" und "G" sind weniger eindeutig definiert, was häufig zu Interpretationsspielraum bei den Bewertungen verschiedener Ratingagenturen führt. Die EU-Kommission arbeitet jedoch an weiteren Konkretisierungen.
Sie schafft einheitliche Kriterien, was als "nachhaltig" gilt. Im Fokus stehen Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, Schutz der Meeresressourcen und Kontrolle von Umweltverschmutzung. Die Taxonomie dient als gemeinsame Sprachregelung für Unternehmen, Investoren und Regulatoren.
Ab 2025 sind große europäische Unternehmen verpflichtet, nach den neuen ESRS-Standards zu berichten – umfassend, prüfbar und nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Auch Banken und Kapitalmärkte fordern zunehmend transparente ESG-Daten. Über Lieferkettenanfragen wirkt die CSRD auch auf kleinere, nicht direkt berichtspflichtige Unternehmen.
Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) ist eine freiwillige, modulare Grundlage für kleine und mittlere Unternehmen. Damit könnt ihr ESG-Daten strukturiert erfassen und gegenüber Kunden, Banken und Lieferanten belegen – auch ohne gesetzliche Berichtspflicht. Der VSME-Standard ermöglicht einen pragmatischen Einstieg ohne übermäßige Komplexität.
Typische Beispiele umfassen:
ESG stärkt das Vertrauen von Investoren, Banken und Kunden. Viele Kreditinstitute und große Kunden verlangen mittlerweile ESG-Nachweise. Nachhaltigkeit fördert Effizienz, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit. Wer proaktiv informiert, verschafft sich klare Wettbewerbsvorteile – von besseren Finanzierungskonditionen bis zu höherer Arbeitgeberattraktivität.
Formal betrifft die CSRD-Berichtspflicht zunächst große Unternehmen und börsennotierte Firmen. Praktisch wirken ESG-Anforderungen jedoch über Lieferketten, Banken und Geschäftspartner auch auf KMU. Wer große Kunden beliefert, eine Bankfinanzierung benötigt oder im B2B-Geschäft tätig ist, sollte ESG-Kriterien proaktiv adressieren.
ESG-Indikatoren sind messbare Kennzahlen zur Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung. Unterschieden wird zwischen prozessorientierten Indikatoren (z.B. "Existiert eine Nachhaltigkeitsrichtlinie?") und wirkungsorientierten Indikatoren (z.B. "Um welchen Anteil wurden Emissionen im Verhältnis zum Umsatz reduziert?"). Für strategische Steuerung sind wirkungsorientierte Indikatoren deutlich aussagekräftiger.
Ein strukturierter Einstieg erfolgt in fünf Schritten:
Cloudbasierte ESG-Tools automatisieren die Erfassung und Auswertung von Kennzahlen, erleichtern Audits und machen Daten prüfungssicher verfügbar. Moderne Plattformen bieten Schnittstellen zu Buchhaltung, Lohn und Einkauf, nutzen KI zur automatischen Kategorisierung und halten Emissionsfaktoren aktuell. Ein guter Start ist unser kostenloser CO2-Rechner für KMU.
Pragmatische Sofortmaßnahmen umfassen:
Diese Maßnahmen lassen sich meist kurzfristig umsetzen und schaffen schnell messbare Erfolge.
Das kommt auf eure Ausgangssituation an. Für die initiale Wesentlichkeitsanalyse oder spezifische Fragestellungen (z.B. Lieferkettensorgfalt) kann externe Expertise sinnvoll sein. Für die laufende Datenerfassung und das operative Reporting sind automatisierte Plattformen oft die effizientere Lösung. Mehr zu dieser Abwägung findet ihr in unserem Artikel zu Kosteneffizienz von Nachhaltigkeitsberatern.
Greenwashing vermeidet ihr durch:
Mehr zu ehrlicher Nachhaltigkeitskommunikation zeigen wir in unserem Praxisleitfaden.
B Lab. (o.J.). Best Practice Guide: Responsible Supply Chain Management. Abgerufen von https://www.bcorporation.net
European Commission. (2024). Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Abgerufen von https://finance.ec.europa.eu/capital-markets-union-and-financial-markets/company-reporting-and-auditing/company-reporting/corporate-sustainability-reporting_en
European Commission. (2024). Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Abgerufen von https://commission.europa.eu/business-economy-euro/doing-business-eu/sustainability-due-diligence_en
European Commission. (2023). EU Taxonomy for Sustainable Activities. Abgerufen von https://finance.ec.europa.eu/sustainable-finance/tools-and-standards/eu-taxonomy-sustainable-activities_en
EFRAG. (2023). European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Abgerufen von https://www.efrag.org/lab6
EFRAG. (2025). Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME). Abgerufen von https://www.efrag.org/lab7
Ford Motor Company. (2023). Sustainability Report 2023. Abgerufen von https://corporate.ford.com/operations/sustainability.html
Global Reporting Initiative. (2021). GRI Standards. Abgerufen von https://www.globalreporting.org/standards
Morningstar. (2022). Morningstar Indexes' ESG Risk/Return Analysis. Abgerufen von https://www.morningstar.com/research
Norges Bank Investment Management. (2023). Responsible Investment Report 2023. Abgerufen von https://www.nbim.no/en/responsible-investment/
Schroders. (2021). Why might ESG factors increase returns? Abgerufen von https://www.schroders.com/en/insights/economics/why-might-esg-factors-increase-returns/
Sustainability Accounting Standards Board (SASB). (2023). Materiality Finder. Abgerufen von https://www.sasb.org/standards/materiality-finder/
Tomorrow GmbH. (2024). Impact Report 2024. Abgerufen von https://www.tomorrow.one/de-de/about/impact